KSA Jahresbericht 2025

Fokus: Innovation und Forschung 
Innovation und Forschung am KSA

Das KSA steht für beste Versorgungssicherheit in der Bevölkerung. Allein deshalb fühlen wir uns auch in anspruchsvolleren Zeiten verpflichtet, Sorge zu tragen, dass
wir Ihnen hochkarätige Medizin zur Verfügung stellen, die Weiterbildung unserer Assistenzärztinnen und Assistenzärzte gewährleisten und hochspezialisierte Medizin (HSM) anbieten können, um Sie bestmöglich zu betreuen.
Genau hier setzt die Forschung am Kantonsspital Aarau an; denn ohne Forschung wären diese Dienstleistungen langfristig nicht mehr möglich.

Prof. Dr. med. Philipp Schütz Leiter Med. Uniklinik, Mitglied der Geschäftsleitung, Chefarzt Allgemeine Innere Medizin und Hausarztmedizin, Chefarzt Endokrinologie, Diabetes und Metabolismus, Präsident KSA Forschungsrat
Langzeit-Studie

Das Prostatakrebs-Screening senkt die Sterblichkeit

Wissenschaftliche Erkenntnisse, die Fachpersonen am KSA mittels klinischer Studien zu Tage fördern, sind für die optimale Patientenversorgung und für die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses zentral. Damit Innovationen und Optimierungen im Behandlungsprozess entstehen können, betreibt das KSA klinische Forschung. Daraus entstehen jährlich jeweils um die 250 Publikationen, die in sogenannten peer-reviewed Journals akzeptiert wurden. Diese Studien wurden von externen Expertinnen und Experten auf ihre wissenschaftliche Qualität überprüft.

Derlei anwendungsorientierte Forschung hat immer den grösstmöglichen Nutzen für die Patientinnen und Patienten im Blick – sie ist darum insbesondere auch im Bereich der sogenannten hochspezialisierten Medizin (HSM) Pflicht. Bei diesen schweren oder seltenen Krankheitsfällen sind neuste wissenschaftliche Erkenntnisse und Innovationen für die Expertise der behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie der Pflegenden essenziell.

Ein Beispiel einer solchen Studie mit Beteiligung des KSA untersuchte den Nutzen der Vorsorgeuntersuchungen bei Prostatakrebs. Die europaweit durchgeführte Langzeitstudie wurde im Herbst 2025 in einer der bedeutendsten Fachpublikationen in der Medizin, dem «New England Journal of Medicine», veröffentlicht. Die Kernerkenntnis: Prostatakrebs-Screening senkt die Sterblichkeit, also das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben. Zu diesem Schluss kamen die Forschenden bereits 2009 auf Basis von Erstauswertungen. Nun hat dieselbe Forschungsgruppe gezeigt, dass diese Aussage auch langfristig, also auch mehr als zwanzig Jahre nach Beginn der Studie, weiterhin gilt. Die Forschenden untersuchten Daten von über 160 000 Männern aus acht europäischen Ländern. Darunter waren 10 000 Männer aus dem Kanton Aargau, welche durch die Urologische Klinik des KSA und die Hausärztinnen und Hausärzte untersucht und nachkontrolliert wurden.

Die Studie vergleicht seit 1995 die Sterblichkeit von Männern ohne Screening mit der Sterblichkeit von Männern, die sich einem Prostatakrebs-Screening unterzogen. Beim Screening wird der PSA-Wert (Prostata Spezifisches Antigen) im Blut gemessen. Je höher der Wert, desto grösser kann das Risiko für Prostatakrebs sein. Die Langzeitstudie ermöglicht eine lange Nachbeobachtungszeit, was wichtig ist, um die nachhaltige Wirkung der Vorsorgeuntersuchung zu beurteilen. Resultat: Screening reduziert die Sterblichkeit an Prostatakrebs um über einen Fünftel.

Screenings sind also sinnvoll, bergen aber auch das Risiko unnötiger Krebsdiagnosen und Behandlungen. Das zeigte die Studie ebenfalls. Denn: Ein erhöhter PSA-Wert heisst nicht automatisch, dass die Betroffenen Krebs haben, welcher zu Problemen führen wird. In Zahlen: Im Vergleich zur klinischen Praxis kommt es pro 1000 gescreente Männer im Durchschnitt zu 27 zusätzlichen Krebsdiagnosen. Davon hat etwa die Hälfte der Männer Tumore, die sehr wahrscheinlich nie behandelt werden müssen.

Die Urologie KSA hat durch diese Studie einen Risikorechner für die Prostatakrebs-Früherkennung entwickelt. Damit können die Männer mit einem relevanten Prostatakrebsrisiko besser identifiziert und unnötige Abklärungen und Behandlungen reduziert werden. Das bedeutet weniger Gesundheitskosten. Die Studie wurde weltweit sehr beachtet und hat wesentlich zur Optimierung und Anpassung der Prostatakrebs-Früherkennungs-Richtlinien beigetragen.

Ausgewählte Forschungsprojekte am KSA